Der NS-Krankenmord in Hessen und Blankenhain

Am 29. Januar 2018 fand im Blankenhainer Schloss ein Multimediavortrag mit Frau Prof. Dr. Christine Vanja statt mit dem Thema:  Der NS-Krankenmord in Hessen und das Gedenken nach 1945. Die Ermordung kranker und behinderter Menschen war ein zentraler Bestandteil der antihumanitären nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik. Sie ging, mitten in Deutschland, der Shoah voraus. Insbesondere Menschen mit chronischen psychischen oder neurologischen Leiden bzw. geistigen und körperlichen Behinderungen galten dem NS-Staat als „lebensunwert“.

Zwischen 1939 und 1945 wurden im Deutschen Reich schätzungsweise 200.000 Menschen in Heil- und Pflegeanstalten getötet. Der Regierungsbezirk Wiesbaden im heutigen Bundesland Hessen nahm mit seinen Fürsorgeeinrichtungen bei diesem Verbrechen eine besondere Rolle ein. Das psychiatrische Krankenhaus Hadamar war von 1941 bis 1945 ein zentraler Ort der „Euthanasie“-Verbrechen. Weitere Einrichtungen arbeiteten Hadamar zu und waren selbst Tötungsorte. Die Gerichtsverfahren in Frankfurt am Main, die unmittelbar nach der Befreiung Hessens durch die Amerikaner 1945 einsetzten, führten die Verbrechen einer breiten Bevölkerung vor Augen.

Dennoch ist es vor allem dem Engagement Einzelner geschuldet, dass in Hessen schon relativ früh der Opfer der „Euthanasie“-Verbrechen gedacht wurde. Im Jahr 1953 wurde die vermutlich erste Gedenktafel zum Krankenmord in Deutschland überhaupt, ein Relief, in Hadamar angebracht. 1983 konnte dort eine erste Gedenkausstellung auf studentische Initiative eröffnet werden. Daraus entwickelte sich die heutige Gedenkstätte Hadamar, die jährlich von rund 20.000 Menschen, darunter viele Jugendliche, besucht wird. Aber auch an allen anderen Orten des Krankenmordes befinden sich inzwischen Gedenkorte und Informationsangebote zur Geschichte.

Der Vortrag wurde vom Prager Haus Apolda e.V. in Zusammenarbeit mit dem Schloss- und dem Geschichtsverein der Stadt Blankenhain organisiert. Etwa 30 Zuhörer hatten sich eingefunden, die dem Referat aufmerksam zuhörten und im Anschluss interessierte Fragen stellten.

Die Referentin, Frau Prof. Vanja, hat über 30 Jahre lang das Gedenken an die Opfer der NS-„Euthanasie“ in Hessen als Archivarin und Historikerin des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen wissenschaftlich und organisatorisch betreut. Sie brachte zu der Veranstaltung speziell eine Krankenakte einer jungen Frau aus Blankenhain mit, die in Hadamar getötet wurde. Ob dies die einzige Blankenhainerin war, muss weiteren Studien überlassen bleiben.

Als Vorstandsvorsitzende des Prager Haus Apolda e.V., der der Geschichtsverein des Weimarer Landes ist, habe ich diese Veranstaltung gern mit organisiert und moderiert. Es ist wichtig, dass die NS-Verbrechen im In- und Ausland als Mahnung im Gedächtnis der Menschen bleiben. Mit Frau Prof. Vanja bin ich seit über vierzig Jahren befreundet. Sie verfügt über ein immenses Fachwissen über diesen Abschnitt deutscher Geschichte, den sie gern mit uns geteilt hat.

Vielen Dank an Frau Prof. Vanja und alle Zuhörer und Gäste, dass wir einen lehrreichen Abend miteinander verbringen konnten.

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