Startseite » Gesellschaft » Mein Reisetagebuch Russland – Mongolei

Mein Reisetagebuch Russland – Mongolei

In Nowosibirsk besuchte Marion Schneider die Ausstellung "Das Werk von Nicholas Roerich".

Montag, den 10. Juni 2024

18. Reisetag

Diesen Tag verbringen wir in Nowosibirsk. Nowosibirsk unterscheidet sich kaum von einer europäischen Stadt. Vielleicht gibt es etwas mehr Menschen mit asiatischem Äußeren. Aber die Kleidung und selbst die Tattoos sind doch sehr ähnlich dem, was wir in Westeuropa kennen. Bei den Dienstleistungen sowie der Mode und anderen Dingen des täglichen Lebens sind die Angebote durchaus mit denen bei uns in Deutschland vergleichbar.

Die Vegetation hat es etwas schwerer hier. Man sieht, dass die Bäume nicht so schnell und glücklich wachsen können – die Winter sind lang und kalt – und auch hier gibt es immer noch Maiglöckchen und Flieder und der Löwenzahn hat noch längst nicht sein Reifestadium erreicht.

Maiglöckchen und Flieder sind am Blumenstand noch im Angebot.
Der Löwenzahn hat sein Reifestadium noch längst nicht erreicht.

Der Tag führte uns in ein ganz besonderes Museum, was uns einen Aufenthalt von mehr als zwei Stunden bescherte, nämlich das Museum „Das Werk von Nicholas Roerich“. Der allseits gelehrte Wissenschaftler, Künstler und auch Politiker wird in mehreren Ländern hoch geachtet, und es soll auch eine Roerich-Gesellschaft in Deutschland geben. Hier werde ich weiter forschen. Noch einige Eindrücke vom Museum und seinem Werk, welches übrigens von seinen beiden Söhnen weitergeführt wurde und welches ohne die Unterstützung seiner Frau nicht denkbar gewesen wäre.

Wir waren noch am Markt von Nowosibirsk, der zur Verwunderung von Iwana transformiert wurde. Es gibt einen riesigen Food-Court (neudeutsch) und der Markt ist dadurch kleiner geworden, aber es gibt immer noch alles, was das Herz begehrt. 

Sonntag, den 9. Juni 2024

17. Reisetag

Wir fahren bei Kilometerstand 16.021 um 7.15 Uhr bei 13 Grad Celsius los. Unser Ziel ist Nowosibirsk, die Hauptstadt West-Sibiriens. Dort sind wir dann wieder in einer anderen Zeitzone, das heißt es wird noch eine Stunde später sein. Anders ausgedrückt: Während es in Ischim zum Beispiel noch 14 Uhr war, war es in Omsk dann 15 Uhr und in Nowosibirsk bereits 16 Uhr. Dadurch bleibt es natürlich abends länger hell.

Bei Kilometer 16.650 und einer Temperatur von 29 Grad kamen wir um 18.06 Uhr in Nowosibirsk an. (400 Kilometer zuvor lag die Außentemperatur noch bei 19 Grad Celsius).

Marion Schneider vor einem großen Denkmal in Nowosibirsk.
Nicht zu übersehen: Das große Denkmal an der Hauptstraße in Nowosibirsk.
Die Oper von Nowosibirsk

Auf drei Dinge möchte ich heute aufmerksam machen: zum einen auf die Belobigung von verdienten Mitarbeitern an verschiedensten Stellen in den verschiedenen Städten. Wir sahen in Nowosibirsk ein Beispiel für Bürger des Landkreises, wobei eine Tafel auf Ehrenbürger hinweist, die im Zweiten Weltkrieg Besonderes geleistet haben.

Zum Zweiten auf Musikanten auf der Straße, die gleichzeitig immer auch mit Angabe von Handynummer und Instagram-Kanal für sich Werbung machen. In jeder Stadt gab es bisher mehrere Straßenmusikanten. In Nowosibirsk sogar tanzende Paare auf der Straße. Dies macht das Leben gleich viel schöner.

Tanzen auf der Straße – das macht das Leben gleich viel schöner.

Zum Dritten auf die auf verschiedene Weise wiederkehrende Menge an Denkmälern, die die Geschichte manifestieren. In Nowosibirsk ein besonders großer Lenin mit seinen Kampfgefährten, die ihn an die Macht brachten und an der Macht hielten.

Ein besonders großer Lenin

Wir besuchten auch den großen Bahnhof, der aus einem Regional- und einem Zentralbahnhof besteht. Letzterer bietet viel Komfort und sogar Hotelzimmer.

Bahnhofsvorplatz in Nowosibirsk
Bahnhof in Nowosibirsk
Viel Komfort bietet der Bahnhof in Nowosibirsk.

Samstag, den 8. Juni 2024

16. Reisetag

Am Samstag fuhren wir um 8.15 Uhr bei Kilometerstand 15.690 und 16 Grad Celsius los. Unser Ziel ist Omsk. Iwana freute sich besonders darüber, dass Pjotr Pawlowitsch Jerschow, der Namensgeber des Hotels, in dem wir übernachteten, aus Ischim stammt. Sie machte uns auf das berühmtem Kindermärchen „Das bucklige Pferdchen“ aufmerksam, von dem es auch einen wunderschönen Zeichentrickfilm gibt. Dieser kann unter dem nachfolgenden Button über Youtube abgerufen werden. Pjotr Jerschow hat auch viele andere Märchen aufgenommen und interpretiert.

Youtube

Weitere berühmte Persönlichkeiten stammen aus Ischim wie Nikolai Nikitin, Chef-Konstrukteur des Moskauer Fernsehturms. Es wurde noch auf eine dritte Persönlichkeit in Form eines Denkmals aufmerksam gemacht: Konstantin Rokossowski, der während des Bürgerkriegs 1919 in der Region Ischim einen bedeutenden Sieg gegen die Weiße Armee unter Admiral Alexander Koltschak errang.

Wir kamen sehr schnell voran und erreichten Omsk bereits um 15.07 Uhr. Unser Hotel Amaks lag direkt am Fluss Irtysch. Auf der Fahrt nach Omsk sahen wir weitere gravierende Auswirkungen des Hochwassers.

Hochwasser auf der Fahrt nach Omsk

Omsk hat uns sehr beeindruckt, weil es im Grunde alles hat, was eine moderne Stadt ausmacht: schnelle Autos, schöne Geschäfte, Menschen, die einkaufen gehen oder in Restaurants und Kaffees die warmen Temperaturen genießen.

Majestätisch: die Kathedrale von Omsk
Omsk präsentiert sich als moderne und pulsierende Stadt.

Wir haben uns dort wohlgefühlt und auch gut zu Abend gegessen.

Abendessen in Omsk

Freitag, den 7. Juni 2024

15. Reisetag

Abfahrt aus Jekaterinburg um 7.09 Uhr bei Kilometer-Stand 15.079. Es liegen etwa 630 Kilometer und 9,5 Stunden vor uns. Unser Ziel: Ischim in Sibirien. Das Wetter hat sich abgekühlt und es sind nur noch 16 Grad am Morgen. Das Hotel hat uns große Frühstückspakete mitgegeben.

Heute möchte ich Euch einige typische Baustile auf dem Weg vorstellen, damit Ihr Euch ein Bild machen könnt. Da ist zunächst das typische Haus, welches uns bereits seit Litauen begleitet. Es ist das am meisten gebaute Haus mit Holzfassade und geschnitzt verzierten Fenstern, in der Regel mit einem Zaun davor. Manchmal hat es bereits ein zweites Stockwerk wie der neue Bau zeigt.

Haus mit Holzfassade und geschnitzt verzierten Fenstern
Unverkennbar: Dieses Haus wurde neu gebaut.

Wir trafen natürlich auch viele Siedlungen an. Hier einige typische Beispiele auf dem Weg nach Ischim.

Um etwa 12 Uhr sind wir in Tjumen angekommen, einem Zentrum für organische und anorganische Chemie, Erdölverarbeitung und die Herstellung von Düngemitteln. Tjumen liegt an der transsibirischen Eisenbahn. Hier kreuzt sich die Bahnlinie vom Norden mit der Bahnlinie vom Süden. Und hier ist ein Erdöl- und gasverarbeitendes Zentrum Russlands. Dies bemerkte man auch an dem enormen Lkw-Aufkommen, welches wir erlebten.

Mitten in diesem Zentrum gab es auch den Direktverkauf von Obst und Gemüse.

Diese Region war sehr stark vom Hochwasser betroffen, etwa 30.000 Menschen wurden obdachlos. Die Regierung bietet hier eine Entschädigung und sorgt für Umsiedlungen. Wir sahen an der Strecke Hunderte von neuen Häusern, die neu erstellt und noch nicht bewohnt waren.

Die Region Orenburg und Omsk waren auch betroffen. In Orenburg war das Wasser bis zu fünf Meter über dem Normalstand. In Tjumen gab es insgesamt fünf Tote zu beklagen.

Tjumen hieß bereits in den 60er Jahren die „Stadt des schwarzen Goldes“. Hier befinden sich die Niederlassungen von wichtigen Aktiengesellschaften zur Gasverarbeitung. Bei unserem Picknick an der Trasse hatten wir die bisher meisten Stechmücken pro Quadratmeter zu beklagen (15.573 Kilometer). Um 16 Uhr hatten wir auch noch einen Aufenthalt. Wir wurden von der Polizei angehalten und dachten, dass es vielleicht zu einem Verstoß wegen Überfahrens der durchgezogenen Mittellinie gekommen war. Aber der Polizist nannte es eine Routinekontrolle. Hintergrund war wohl unser ausländisches Kennzeichen. Wir hatten aber den Eindruck, dass er auch interessiert war, wer wir sind und wohin wir wollen. Er war sehr freundlich. Nach Prüfung unserer Papiere durften wir weiterfahren. Es war übrigens die erste Kontrolle in Russland, obwohl wir schon an vielen Polizeikontrollen vorbeigefahren sind.

Hier noch zwei Fotos von Häusern in Ischim. Wenn Häuser nicht mehr bewohnt sind, bleiben sie oft bis zum Zusammenfallen stehen. Sie sind Teil des Gesamtensembles. Unser Hotel dort in Ischim hieß „Hotel Jerschow“. 

Donnerstag, den 6. Juni 2024

14. Reisetag

Wir begannen unseren Tag mit einem Besuch des Jelzin-Centers im Zentrum von Jekaterinburg, einem sehr beeindruckenden Bauwerk mit einer höchst zeitgemäßen Ausstellung. Hier nur einige Eindrücke.

Jelzin-Center in Jekaterinburg
Stationen im Leben Boris Jelzins

Die Grundidee besteht darin, sieben Stationen im Leben von Präsident Boris Jelzin in ihrer Bedeutung für die Entwicklung Russlands zu beleuchten.

Jekaterinburg ist eine sehr schön gelegene Stadt. Am Wasser findet sich viel Grün, und das bedeutet auch viele Annehmlichkeiten für die Bürger zum Flanieren. Die Architektur ist ebenso beeindruckend. Hier einige Beispiele.

Jekaterinburg bietet viel Grün und präsentiert eine beeindruckende Architektur.
Das Wasser bietet Gelegenheiten zur Bootsfahrt.

Wir besuchten dann noch die Gedenkstätte für die Ermordung der Zarenfamilie sowie die von Boris Jelzin initiierte orthodoxe Kirche zu deren Gedenken.

Die von Boris Jelzin initiierte orthodoxe Kirche zum Gedenken an die Ermordung der Zarenfamilie darf bei einem Besuch in Jekaterinburg nicht fehlen.
Blick in die orthodoxe Kirche in Jekaterinburg.

Der Besuch des naturkundlichen Museums schloss unseren Tag ab.

Hier noch ein Blick auf das mongolische Eis, welches vorzüglich schmeckte.

Mittwoch, den 5. Juni 2024

13. Reisetag

Um 9.20 Uhr bei Kilometer 14.574 fuhren wir los in Richtung einer Gedenkstätte mit Namen Perm 36.

Aber bevor ich zu der Gedenkstätte mehr erzählen, möchte ich noch etwas von Perm berichten. Perm ist die östlichste Millionenstadt Europas. Seit 2005 ist Perm auch eine selbstständige Verwaltungsregion und grenzt im Norden an die Republik Komi, im Westen und Süden an die Republik Udmurtien. Wichtigster Fluss ist die Kama. Die wichtigsten Industrien sind die chemische Industrie, die Ölraffinerie und die Holzverarbeitung.

Mitte des 19. Jahrhunderts war Perm das bedeutendste Handelszentrum des Urals. Auf Grund von Erzlagerstätten entwickelte sich vor allem die Schwer- und Rüstungsindustrie. Zwischen 1940 und 1957 hieß die Stadt Molotov, und es gab von 1950 bis 1953 ein gleichnamiges Kriegsgefangenenlager. Bis 1991 konnte Perm wegen seiner Rüstungsbetriebe ohne Sondergenehmigung von Ausländern nicht besucht werden. Nur die Durchfahrt mit der transsibirischen Eisenbahn war möglich. Luk Oil, das russische Erölunternehmen, ist in Perm ansässig. Perm hat auch einen eigenen Flughafen und bedeutende Kultureinrichtungen (Theater, Ballett, Museen). Wir haben sehen können, dass Perm ein wichtiger Sitz auch ausländischer Unternehmen ist, und diese Stadt scheint sehr wohlhabend zu sein, was sich an ihren Straßen, ihren Gebäuden und auch ihrer Verkehrsinfrastruktur mit Bussen und Straßenbahnen zeigt. 

Schöne Landschaft auf der Fahrt nach Perm 36

Wir fuhren dann um 9.20 Uhr bei Kilometerstand 14.574 in Richtung Gedenkstätte. Um 11 Uhr kamen wir an der Gedenkstätte Perm 36 an. Das war ein ehemaliges Straflager von 1946 bis 1988. In diesem Straflager gab es drei verschiedene Phasen: 1946 bis 1953 diente es nur für Kriminelle und Asoziale, die dort arbeiten mussten. 1953 bis 1973 wurden auch politische Gefangene, vor allem solche, die mit Faschisten kollaboriert hatten oder sich im Stalinismus durch Bereicherung oder übertriebene Strafaktionen hervortaten, dort nach ihrem Urteil zur Zwangsarbeit gebracht. 1972 bis 1988 war Perm 36 ein gemischtes Lager von sowohl Kriminellen jeder Art als auch politischen Gefangenen. Bei der Auflösung des Lagers 1988 gab es etwa 80 politische Gefangene von insgesamt ca. 2000 Gefangenen.

Außenansicht Perm 36
Ehemaliges Straflager
Gemeinschaftsküche
Gemeinschaftsschlafunterkunft für Gefangene in Perm 36

Auf der Grundlage der Initiative von Bürgerinnen und Bürgern der Region und der Stadt Perm wurde eine der wenigen Gedenkstätten für Straflager errichtet. Die Gefangenen mussten schwer arbeiten, insbesondere Bäume fällen, die dann für den Aufbau der Region, insbesondere der Stadt Perm, verwendet wurden. Die Bürger waren der Meinung, dass auch dies zu ihrer Geschichte gehört. Die Gedenkstätte bietet einen hervorragenden Einblick in die Geschichte des Straflagers. Wir nahmen auch eine Führung in Anspruch, die uns einen Überblick über alle drei Phasen des Straflagers gab, das in keiner Weise mit KZs oder Straflagern in Deutschland vergleichbar war. Es herrschten dort feste Regeln und es ging nicht um die Vernichtung durch Arbeit. Es gab Besuchsregeln für alle Gefangenen und sogar die Möglichkeit, dass Angehörige einige Tage mit den Gefangenen verbringen konnten.

In der Gedenkstätte wird auch der anderen Lager gedacht, die an den verschiedenen Orten der Sowjetunion für Zwangsarbeit errichtet wurden. Eine Ausstellung mit bedeutenden Persönlichkeiten, die auch nach ihrem Straflager-Aufenthalt noch wichtige Verantwortung übernahmen, vertieft das Verständnis für die Bedeutung von Lagern in der Sowjetunion.

Der Besuch hat uns sehr beeindruckt und nachdenklich gemacht. Dann ging es wieder auf die Straße und wir kamen in Jekaterinburg um 20.35 Uhr bei Kilometerstand 15.079 an. Nun waren wir nicht mehr in Europa, sondern schon in Asien. Den Abend beschlossen wir mit einem gemeinsamen Abendessen im Restaurant Ratatouille. Hier mein Salat sowie gefüllte georgische Teigtaschen.

Spezialität zum Abendessen: Gefüllte georgische Teigtaschen

Dienstag, den 4. Juni 2024

12. Reisetag

Wir sind in Kasan um 8.10 Uhr bei Kilometerstand 13.858 abgefahren. Unser Ziel ist die Stadt Perm. Von jetzt an wissen wir, dass wir mit einer Zeitumstellung von einer Stunde rechnen müssen. Wir haben eine lange Fahrt vor uns und um die Mittagszeit zeigt das Thermometer bereits 29 Grad Celsius.

Auf der Fahrt von Kasan nach Perm: Besiedlung an der Strecke.
Auf der Fahrt von Kasan nach Perm: Besiedlung an der Strecke.

Wir müssen zwei Mal tanken, und bei Ischewsk beginnt die neue Zeitzone. Ischewsk ist die Hauptstadt der Republik Udmurtien. Udmurtien liegt noch im europäischen Teil Russlands westlich des Urals. Der Anteil der russischen Bevölkerung beträgt etwa 60 Prozent. Die Udmurten, Tartaren, Ukrainer und Mari sind Minderheiten. Amtssprachen sind Udmurtisch und Russisch.

Wir sind durch diese Republik ausschließlich durchgefahren, haben hier aber unseren ersten Elch gesehen (Kilometer 14.167) Gegen 17 Uhr machen wir eine weitere Pause. Hinter Ischewsk erblickten wir plötzlich links und rechts der Straße Ölförder-Pumpen (mindestens 12). Auch zwei Gasflammen habe ich gesehen. Für uns als ölimportierendes Land ist dies doch sehr interessant. Kurz vor Shamary stellen sich unsere Uhren um und es ist statt 18.50 Uhr auf einen Schlag 19.50 Uhr. (Kilometerstand 14.420). Es ist auch, so meine ich, dunkler – auch wegen der Wolken und des drohenden Regens (es gab eine Unwetterwarnung). Es sind noch 140 Kilometer bis Perm. Unser Hotel dort heißt Ural. Wir kommen dort um 21.54 Uhr bei 33 Grad Celsius an.

Montag, den 3. Juni 2024

11. Reisetag

Unser Hotel Kunak in Kasan befindet sich im traditionellen Viertel der Tataren. Kasan ist mit etwa 1,3 Millionen Einwohnern die sechstgrößte Stadt Russlands. Sie liegt an der Wolga und dem Fluss Kasanka.

Kasan war der Ausgangspunkt des russischen Vielvölkerstaates, als die Stadt 1552 von den Truppen Iwans IV. eingenommen wurde. Iwan der IV. wird bei uns übrigens mit „Iwan der Schreckliche“ übersetzt, heißt aber im Russischen „Iwan der Strenge“.

Im 15. Jahrhundert war Kasan das Handels- und Kulturzentrum der Wolga-Region, tatarische Produkte und Publikationen wurden in ganz Russland verkauft. Die Universität Kasan wird zu den ältesten Russlands gezählt. Tatarisch und Russisch sind die Amtssprachen, wobei Russisch im täglichen Leben dominiert.

Das historische Symbol von Kasan ist der Drachen.

Nach dem Frühstück fuhren wir mit dem Taxi zum Kreml (wohin sonst?!) Die Besonderheit in Kasan ist das harmonische Ensemble von weltlicher und geistlicher Herrschaft an einem Ort. Da Kasan zu fast 50 Prozent mit Muslimen besiedelt ist, steht im Kreml eine eindrucksvolle Moschee, die nur etwa 20 Jahre alt ist und als beliebtes Ausflugsziel dient.

Die Moschee von Kasan befindet sich auf dem Kreml-Gelände.
Sehr eindrucksvoll: Die Moschee ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Am Fuß des Gebäudes befindet sich das historische Museum, welches wir dann auch besuchten. Besonders interessant im historischen Museum war für uns als Kenner des Auerstedter Kutschenmuseums die Nobelkarosse von Katharina II., die 1767 in Kasan mit dieser Kutsche begrüßt wurde, nachdem die Kutsche speziell von St. Petersburg nach Kasan gebracht worden war, damit die Herrscherin in diesem Gefährt dann in Kasan repräsentativ reisen konnte.

Im historischen Museum in Kasan ist diese prunkvolle Kutsche von Katharina II. ausgestellt.

Wir besuchten außerdem noch den Markt von Kasan sowie einen überall in Russland zu findenden Spar-Markt. Wie man da sehen kann, gibt es in Russland alles, was wir auch kennen, problemlos zu kaufen. Am Ende des Tages aß ich noch in einem tatarischen Restaurant eine Soljanka.

Abschließend bleibt festzustellen, dass Kasan eine sehr wohlhabende Stadt ist. Was zum Beispiel den Pkw-Bestand angeht: fast alles neue, schicke Autos, natürlich jetzt größtenteils aus China. Wir können einen Besuch jederzeit empfehlen. Im Oktober wird in Kasan die nächste BRICSplus-Konferenz stattfinden, zu der jetzt auch Afghanistan eingeladen ist.

Sonntag, den 2. Juni 2024

10. Reisetag

Wir starten um 10 Uhr. Kilometer-Stand 13.483. Etwa 400 Kilometer vor uns bis nach Kasan, der Hauptstadt der Republik Tatarstan. Uns ist eine sehr hohe Lkw-Dichte auf den Fernstraßen aufgefallen. Vor allem auf der M7, Wolga genannt, ist das Verhältnis von Pkw zu Lkw etwa 1:10. Diese Lkw-Dichte begann aber erst einige Stunden vor Nischni Nowgorod. Vorher gab es gar nicht so viele Lkws. Übrigens sind fast 100 Prozent der Lkws russischer Nationalität, die Nummernschilder betreffend. Links und rechts der Trasse liegen auch viele Logistik-Zentren.

Um 17.30 Uhr kommen wir in Kasan an. Kilometerstand: 13.858. Wir haben etwas Zeit verloren, weil wir mit der Fähre über die Wolga übergesetzt sind. Das war sehr schön. Silvan hat zudem den Mut aufgebracht, in der Wolga zu baden. Darüber habe ich einen kurzen Film gedreht.

Das Museum der Religionen ist ein absolut faszinierendes Bauwerk.

Am anderen Ufer der Wolga angekommen, mussten wir noch einen Halt machen, denn das Bauwerk war schon von außen absolut faszinierend. Es handelt sich um das Museum der Religionen. Dieses von privater Initiative aufgebaute Museum ist heute die meistbesuchte Sehenswürdigkeit von Kasan. Die Religionen, die hier vorgestellt werden, kann man nicht an beiden Händen abzählen. Selbst Südamerika ist mit vertreten. Was mich besonders beeindruckte, war die breite Darstellung der Oktober-Revolution und der Zeit danach. Diese geschichtliche Epoche wurde wie eine eigene Religion abgehandelt. Hier einige Eindrücke davon.

Museum der Religionen

Wir übernachten im Hotel KUNAK im traditionellen Viertel. Aber für Nachtruhe ist es hier noch viel zu früh. Den Abend nutzten wir, um die Innenstadt zu besuchen. Kasan hat eine unendlich lange Fußgängerzone, geschätzt bestimmt zwei Kilometer. Danach liefen wir am Kreml und an der Wolga entlang, kamen noch zu einem ständigen Jahrmarkt. Insgesamt haben wir bestimmt über 3,5 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Keine Minute erschien uns langweilig. Wir begegneten bis weit nach Mitternacht einem unaufhörlichen Strom von Erwachsenen und Kindern in Feiertagslaune (es war Sonntag).

Auch Sonntagabend pulsiert das Leben in Kasan.

In der Fußgängerzone waren übrigens sogar am Sonntagabend noch Bauarbeiten im Gange, so dass neben ganz vielen Musikdarbietungen von Straßenmusikern und den Gesprächen aus sehr vielen Restaurants auch Baugeräusche zu hören waren. Das Ganze wirkte aber nicht störend, sondern völlig normal. Das hat auch damit zu tun, dass das Wetter von Oktober bis Mai schon wieder kalt ist.

Und wir hatten dann noch einen sehr schönen Abend. Besonders lustig war es, dass Klaus und ich zwei Martini mit Soda bestellt hatten. Da das Angebot aber aus jeweils drei Gläsern bestand, bekamen wir gleich sechs Gläser Martini.

Glücklicherweise kamen Silvan und Iwana dazu und so konnten wir alle Gläser dann auch erfolgreich leeren. 😂

Samstag, den 1. Juni 2024

9. Reisetag

Gestärkt haben wir uns entschlossen, gleich am Morgen das Automobil-Museum der Firma GAZ, das GAZ-History Museum, zu besuchen. Wir sahen Dokumente von der Entstehung des Werkes 1929 bis zum Ende der Automobilherstellung, denn inzwischen werden hier keine Pkw mehr, sondern nur noch Busse, Nutzfahrzeuge und Transporter gefertigt. Bedeutende Exemplare der Automobile, viele davon Unikate, kann man bewundern. Die GAZ-Gruppe ist der größte Automobilkonzern Russlands.

Besuch im GAZ-History Museum

Danach führte uns der Weg zum Hafen von Nischni Nowgorod, ein beliebtes Ausflugsziel mit vielen Restaurants und Freizeitangeboten. Wir nahmen dort an einer Bootsfahrt teil, und so kann ich Euch einen Teil des Hafens vom Wasser aus zeigen. Sichtbar ist auch der Kreml der dort erhoben thront. Und eine riesige Treppe, über die man vom Hafen zum Kremlgebäude gelangen kann.

Ein Tag in Nischni Nowgorod: Blick auf den Kreml
Blick auf den erhabenen Kreml von Nischni Nowgorod

Besonders eindrucksvoll fand ich noch das Denkmal des Arbeiter- und Matrosenaufstands 1918/19, welches ich für Euch fotografiert habe.

Dieser Tag führte auch noch in das Museum für moderne Kunst im Zentrum von Nischni Nowgorod. Hier einige Eindrücke.

Am Abend speisten wir georgisch. Wir haben alle gut geschlafen in Nischni Nowgorod, wo die Sonne schon um 3.30 Uhr aufgeht und wo es der allgemeinen Auffassung nach die schönsten Sonnenuntergänge gibt. Hunderte versammeln sich abends an der Tschkalow-Treppe, benannt nach dem berühmtem Piloten Tschkalow. Tschkalow flog Hunderte von Flügen über den Nordpol und galt als ein mutiger Flugkünstler und Pionier. Er ist schon mit 34 Jahren durch einen Flugunfall verstorben.

Freitag, den 31. Mai 2024

8. Reisetag

Wir erkunden am Vormittag Susdal. Susdal liegt nordöstlich von Moskau – etwa 22 Kilometer entfernt am Fluss Kamenka und hat inzwischen mehr als 10.000 Einwohner. Susdal gehört zu den ältesten Städten Russlands. Im neunten Jahrhundert ist eine Besiedlung nachgewiesen. Im 12. Jahrhundert wurde bereits ein Kreml errichtet. Kreml waren und sind so etwas wie das Regierungszentrum der Städte.

Der Kreml in Susdal wurde im 12. Jahrhundert errichtet.

Susdal hat als ehemaliges bedeutendes Handelszentrum sehr schöne erhaltene Holzhäuser, die eine Besichtigung wert sind. Ganz besonders beeindruckend wirkt die Muttergottes – Geburts-Kathedrale, eine der ältesten erhaltenen Russisch-Orthodoxen Kirchenbauten. Zusammen mit dem Ensemble des Kreml gehört diese Kirche zum Unesco-Weltkulturerbe. 

Die Muttergottes-Geburts-Kathedrale in Susdal gehört zum Unesco-Weltkulturerbe.

Der Tourismus prägt die Stadt bis heute sehr. Dass Susdal einer der am meisten besuchten Orte Russlands ist, wird durch vielerlei Tourismus-Angebote deutlich. Ein Beispiel dafür ist eine Kutsche, die zum Mitfahren bereitstand.

Eine besondere Ausstellung sind die alten Bauernhäuser und Kirchen verschiedener Art, die aus der Region nach Susdal geholt wurden und hier zu besichtigen sind. Diese sind eine große Attraktion und stets gut besucht.

Die alten Bauernhäuser und Kirchen sind eine Attraktion.

Nach 12 Uhr fuhren wir in Susdal los. Unser Ziel jetzt: Nischni Nowgorod! Wir kommen der Wolga wieder ein Stück näher und sehen, wie breit sie jetzt ist. Etwa 17 Uhr und bei 13.483 Kilometern kommen wir im Grand Hotel OKA Business an. Glücklich, aber erschlöpft entschlossen wir uns dennoch zu einem kleinen Stadtrundgang, zu dem wir ein Taxi bemühten. Ich fand dort noch eine Synagoge, zu der wir problemlos Zutritt erhielten, und ein schön erhaltenes ehemaliges Sparkassen-Gebäude besonders fotografierenswert.

Synagoge in Nischni Nowgorod
Ehemaliges Sparkassengebäude

Donnerstag, den 30. Mai 2024

7. Reisetag

Abfahrt um 9 Uhr nach gutem Frühstück im Hotel Tschechov. Es war sensationell, überaus vielfältig und ansprechend angerichtet. Schon jetzt herrschen 26 Grad Celsius. 

Die Wolga ist in Kimry bis zu 430 Meter breit.

Bei Kilometerstand 12.923 haben wir in Kimry angehalten, einer Handelsstadt an der Wolga. Hier ist die Architektur des 19. Jahrhunderts sehr sichtbar und gut erhalten. Während die Wolga gestern in Twer nur 250 Meter breit war, nimmt sie in Kimry bereits etwa 430 Meter in der Breite ein. Kimry hat knapp 50.000 Einwohner. Der Name der Stadt stimmt von dem Wort „kimra“ ab. Dies ist die Sprache des Fino-Ukrischen Stammes der Merya. Kimry beherbergte den Maschinenbaubetrieb und das Konstruktionsbüro der Tupolev, des berühmtesten Flugzeugs der Sowjetunion.

Und auch in Kimry gab es wieder Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg, der in Russland als Großer Vaterländischer Krieg bezeichnet wird.

Nach einem weiteren Zwischenstopp in Abrantsevo (13.029 Kilometer, Ankunft 13.14 Uhr), einem historischen Künstlerort des letzten Jahrhunderts, fuhren wir bei 23 Grad Celsius um 15 Uhr weiter. Wer mehr über Abrantsevo wissen will, kann sich in unserer Telegram-Gruppe informieren – diese heißt „Auerstedt goes Ulanbaatar“ (nachfolgend der Link für die Messinger-App: https://t.me/+jtlkSeuKuV83YmRk). Dort sind viele weitere schöne Bilder zu finden.  

Um 18 Uhr kamen wir in Susdal an (13.232 Kilometer) und erlebten hier einen schönen Sonnenuntergang. Ich bestellte mir zum Abendessen Kartoffelpuffer mit saurer Sahne und ganz vielen Kräutern. Es hat wunderbar geschmeckt.

Sonnenuntergang und Abendessen. Und das Gurkenwasser schmeckte köstlich!

Mittwoch, den 29. Mai 2024

6. Reisetag

12.216 Kilometer bei Abfahrt um 8.10 Uhr in Richtung Twer. Wir machen noch einen Zwischenstopp in Velikiy Nowgorod (Kilometer-Stand. 12.422) und fahren dann noch etwa 400 Kilometer bis nach Twer. Ankunft dort bei Kilometer 12.824. Bis dahin haben wir mindestens 49 Störche gesehen. Am Abend besuchten wir die ganz nah am Hotel gelegene Wolga. Hier gab es wieder sehr viele Angebote für Kinder am Strandufer und Menschen die badeten.

Die Wolga bei Twer
Das Wolga-Ufer bei Twer liegt in unmittelbarer Nähe zum Hotel.
In Twer gibt es am Strandufer viele Spielmöglichkeiten für Kinder.

Das Abendessen war vorzüglich – hier ein Beispiel.

Wir hatten sogar noch das Glück, Live-Musik zu erleben, und während es zunächst so aussah, als ob eine DJane den Restaurantgästen ausgewählte Musik anbot, begann diese in einem zweiten Schritt selbst zu singen, und zu unserer Überraschung erlebten wir dann in diesem Restaurant Riviera auch noch, dass die Gäste zu tanzen anfingen. Die Stimmung war hervorragend und wir haben uns darüber sehr gefreut.

Dienstag, den 28. Mai 2024

5. Reisetag

Lada-Kilometerstand: 12.195

Ein Tag in Psok. 2 Übernachtungen. Wir sind im Hotel October.

Dieser Tag ist verschiedenen notwendigen Formalitäten gewidmet, damit unsere Reise durch Russland möglichst ohne Probleme verlaufen kann. Deshalb hatten wir nicht sehr viel Zeit für Besichtigungen – und doch konnten wir schon am frühen Nachmittag ein Café besuchen und dabei wunderbaren Kuchen genießen. Einen kleinen Einblick sollen diese Fotos vermitteln.

Wir sind überrascht, wie schnell die Zahlungen hier in Russland erfolgen. Man legt seine Bankkarte sogar im Bus einfach auf das Lesegerät und bei kleinen Beträgen kommt man einfach herein – ohne weitere Formalitäten. Natürlich muss man eine Bankkarte besitzen, und es gibt auch ein Risiko, wenn man sie verliert. Die Geräte zum Abbuchen sind sehr praktisch.

 Entlang der alten Festungsmauer hat die Stadt Pskov über eine lange Zeit einen grünen Gürtel erschaffen. Man kann insofern durch einen langgezogenen Park um einen beträchtlichen Teil der Innenstadt laufen und lernt dabei auch den botanischen Garten des Ortes kennen. Es sind ausgiebige Angebote für Kinder vorhanden, die teilweise noch nicht in Betrieb waren und wahrscheinlich für die Sommerferien gedacht sind. Es sind dort sowohl Karussells als auch Schiffschaukeln als auch Wasserbecken an verschiedenen Stellen dieses grünen Gürtels zu finden. Auch ist ein kleiner Fuhrpark mit kleinen Elektrofahrzeugen für Kinder und besonderen Fahrrädern für Erwachsene angelegt. Und ich sah einige zur Freude ihrer Eltern auch während des Tages diese Wagen nutzen.

Mir fielen dann mehrere Gedenkstätten auf unserem Weg durch diesen Park auf, und ich habe sie fotografiert.

In der Stadt Pskov sind zahlreiche Gedenksteine und Gedenktafeln zu besichtigen.

Ich ging davon aus, dass es sich bei den Gedenksteinen und Gedenktafeln vor allem um Ereignisse des letzten Jahrhunderts handelte und suchte dann im Internet nach den Hintergründen und erfuhr, dass Pskov eine der ältesten Städte Russlands ist und sich im Laufe der vielen Jahrhunderte gegen diverse Eroberungszüge erfolgreich gewehrt hat. Im April 1242 wurde hier der Deutsche Orden von Alexander Newsky vernichtend geschlagen.  Pskov gehört zum westlichsten Teil des Russisches Kernlandes. Die Stadt hat etwas mehr als 200.000 Einwohner und ist Hauptstadt der Region des Oblasts Pskov. Der deutsche Name der vom Juli 1941 bis zum Juli 1944 von der deutschen Wehrmacht besetzten Stadt ist Pleskau. Wenige Menschen konnten aus der Stadt fliehen. Währen der Besatzungszeit verloren etwa 300.000 Menschen ihr Leben. Die Verstorbenen waren sowohl Einwohner der Stadt als auch Kriegsgefangene als auch Bewohner der umliegenden Dörfer.

Es gab in Pskov auch ein Kriegsgefangenenlager, in dem viele Menschen starben. 40 Prozent der Bewohner von Pskov verloren ihr Leben. Wie zum Beispiel auch in Griechenland wurden die Aktivitäten der Widerstandsbewegung der Partisanen mit Grausamkeit durch die Wehrmacht geahndet. Nicht nur Menschen wurden ermordet, sondern auch Häuser niedergebrannt, ganze Dörfer dem Erdboden gleich gemacht. Gemäß Generalplan Ost konnte die Wehrmacht bedenkenlos plündern und vernichten. Die jüdischen Einwohner wurden zu Beginn des Jahren 1941 erschossen. Ab 1942 wurden etwa 11.000 Menschen als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt. Ab November 1941 erhielten die Bewohner der Stadt nur noch 33 Prozent der Nahrung und die Bauern mussten zwei Drittel ihrer Ernte abliefern. (Quelle: Wikipedia).

Diese Aneinanderreihung von Grausamkeiten zeigt, welcher Wahnsinn momentan in unserem Land entsteht. Nach soviel Grausamkeit gegenüber einem Volk darf sich ein Krieg gegen Russland und auch jegliche Art von militärischen Aktivitäten nicht wiederholen. Deutschland hat die Pflicht zur Diplomatie, wenn es sich auch nur einen Augenblick lang seiner Vergangenheit stellt.

Montag, den 27. Mai 2024:

4. Reisetag

Kilometer 12.114: Passieren der lettisch-estnischen Grenze um 9.30 Uhr in guter Verfassung.


Kilometer 12.134: Ankunft an der estnisch-russischen Grenze um 11.39 Uhr, wir verlassen den estnischen Grenzparkplatz und werden nun an der Grenzkontrolle Luhamaa warten müssen. Ein finnisches, ein lettisches, ein estnisches und ein deutsches (wir) Personenkraftfahrzeug schauen nun gebannt auf die noch roten Lichter, ein litauisches Fahrzeug konnte ganz schnell durch ein kurz auftretendes grünes Licht den Grenzposten passieren.

Parkplatz an der estnisch-russischen Grenze
Warten auf dem estnischen Grenzparkplatz


Wir mussten nun auf russischer Seite bis 14.55 Uhr warten, bis unsere Pässe von der russischen Seite mit einem Stempel versehen wurden. Jetzt fehlt nur noch die Zollkontrolle. Das freundliche Verhör beziehungsweise interessierte Gespräch mit zwei jungen Mitarbeitern des russischen FSB (Föderaler Sicherheitdienst) hat uns in mehrfacher Hinsicht bewegt.

Ein Regenbogen am russischen Grenzposten.


20.48 Uhr: alles geprüft, alles durchleuchtet, Papiere ausgefüllt, Kontrollen erfolgreich durchlaufen, wir dürfen fahren, sobald wir einen kleinen grünen Zettel erhalten.
21.02 Uhr: Wir erhalten den fehlenden grünen Zettel und dürfen endlich die Grenze überqueren. Wir sind in Russland. Der Liter Benzin kostet 0,55 Euro – das war das Erste, was meinen Mitfahrern auffiel.


Gelöste Stimmung, wir geben die Hoteladresse in das Handy ein – funktioniert, aber nur das von Iwana mit der russischen SIM-Card. 48 Minuten bis zum Hotel, sagt das Handy, Google Maps.

Selbstgemachtes Frühstück aus dem Kofferraum
Ein reichhaltiges Abendessen erwartete uns im Hotel.


An der Grenze waren wir nicht die einzigen Deutschen. Es gab noch Eltern mit Sohn und Schwiegertochter aus Gummersbach. Sie waren 25 Jahre in Deutschland, doch möchten wieder zurück nach Russland. Aussiedler also. Als Grund nannten sie das verschlechterte wirtschaftliche Klima. Ihre Baufirma mit 15 Mitarbeitern lohnte sich nicht mehr. Im Nordkaukasus, wohin sie jetzt umsiedeln werden, besitzt der Vater ein Grundstück, und sie werden dort neu anfangen. Als Imker haben sie ihr gesamtes Imkergerät mitgenommen. Die Bienen und den Honig mussten sie zurücklassen.

Samstag und Sonntag, den 25. und 26. Mai 2024:

Ausgangspunkt Kaunas – 11.654 Kilometer. 

In Kaunas regnete es stark, aber niemand schien dies negativ zu bewerten. Alle handelten so, als ob es nicht regnete, nur manche hatten einen Regenschirm.

Marion mit köstlichen Süßigkeiten

Marion fragte eine junge Frau, die an einem Süßwarenstand Dienst tat, nach einem typischen litauischen Restaurant. Diese verließ in Windeseile ihren Stand, das Bargeld zur Sicherheit in der rechten Hand, und führte uns zu einem authentischen Lokal mit litauischem Kolorit.

Dort erlebten wir Livemusik und typisches Essen aus Litauen! 

Die Fußgängerzone in Kaunas beeindruckt durch ihre Baumallee. Sie verbindet die Alt- und die Neustadt. Die historische Altstadt gefiel Klaus noch mehr als die Neustadt.

Litauen 

Litauen ist grün, und die Landschaft, durch die wir fuhren, war sowohl hügelig als auch flach – aber immer grün! Der Flieder blüht noch, wo er bei uns längst verblüht ist. Je weiter wir ins Land fahren, desto weniger LKWs. Noch viele Holzhäuser, aber auch kreative Architektur. Die neuen Ladenbauten sind galerieartig angeordnet. Es gibt noch viele Eigenmarken wie IKI (Supermarkt), Volfajjs Engelman (Brauerei), Motiejaus kepyklele (Café-Bistro), Hesburger(Burger) u.a.

Was die Menschen in Litauen anbelangt, so vermittelten sie mir ein Gefühl von außergewöhnlich großer Freiheit. Die jungen Frauen lieben Miniröcke und kleiden sich sehr freizügig. Sie sind stolz auf ihre Weiblichkeit. Viele der jungen Männer, die ich sah, waren schlank und gut gekleidet. Allerdings blieb mein Blick auf Kaunas beschränkt, wo es überdurchschnittlich viele – auch ausländische – Studierende gibt.

Am nächsten Morgen: Wir fahren Richtung Riga nach Lettland. 

Kilometer-Stand 11.809: Wir tanken kurz vor der litauischen Grenze 51,38 Liter Benzin.

Während der Fahrt durch Litauen zählen wir Störche. Es handelt sich im einzelnen um folgende Kategorien: fliegend, startend / landend, stolzwendend, stakend, im Nest stehend oder brütend, über die Wiese spazierend, äsend, Störche am Wasser stehend oder trinkend. Die Genehmigung der Storchsichtung erfolgte anschließend durch die Storchexpertin Iwana.

Kilometer 11.830: Wir sind in Lettland. Strahlendes Wetter. Die Bushäuschen unterscheiden sich markant von denen Litauens. Mit etwa 1,8 Millionen Einwohnern, davon viele russischsprachig, hat Lettland fast eine Million weniger Einwohner als Litauen.

Nicht nur in Thüringen, sondern auch in Lettland ist derzeit Wahlkampf angesagt.

11.980 Kilometer bei Ankunft in unserem Waldhotel LIGATNE immer noch in Lettland. 

Samstag, den 25. Mai 2024

2. Reisetag

Nach einer geruhsamen Nacht folgte ein gutes Frühstück. Wir fuhren in größter Stimmung los, obwohl uns ein überaus trauriges, selbst gewähltes Ziel bevorsteht: das Vernichtungslager Treblinka etwa 40 Kilometer von unserem Hotel entfernt. Kilometerstand bei Ankunft in Treblinka 11.320 km (Rest-Reichweite heute 60 Kilometer).

Etwa 900.000 Menschen verloren hier auf grausamste Art ihr Leben. Kaltblütig und berechnend wurde hier eine Maschinerie des Todes, des Raubs, der Verwertung und der Vernichtung umgesetzt. Überaus gründlich wurden später alle Spuren beseitigt. Wir sind dankbar, dass diese Gedenkstätte existiert.

Treblinka: Allein dieser Name und meine Augen füllen sich mit Tränen. Nun wird mein Herz auch schwer. Aber anders als bei meinem ersten Besuch in Auschwitz habe ich keine Angst mehr. Ich habe mich mit der Fülle der Grausamkeiten langjährig und intensiv beschäftigt. Immer wieder erfüllt es mich mit Mitgefühl, dass die Menschen, die an solchen Orten leben und deren Name mit diesem Ort verbunden ist, ihrem unverschuldeten Schicksal nicht entkommen können.

Nun sind wir auf dem Weg nach Kaunas, Litauen, einer weiteren Tagesetappe auf dem Weg zur estnisch-russischen Grenze.

11.509 Kilometer: Rast in Raczki;  Wasser bei Royal Max Kaiser gekauft. Pizzeria macht erst um 17 Uhr auf.

Kilometer 11.561 Grenzübergang nach Litauen hier ist es eine Stunde später, also eine Zeit wie in Griechenland. Hier gilt wieder der Euro. Wir sehen erst einmal fast nur Lkws und Tankstellen.

Heute erwartet uns die authentische Litauische Küche: Silvan freut sich auf das wohlverdiente Abendbrot.

11.572 Kilometer: Kalabarija – hier sehen wir Menschen auf der Straße und spielende Kinder.  11.654 Kilometer. Im Hotel in Kaunas angekommen um 18.44 Uhr.

Freitag, den 24. Mai 2024:

1. Reisetag

Start um ca. 9.00 Uhr, Verzögerung, weil Silvans Anhänger doch sehr, sehr groß und schwer war. Auftaktfotos gemacht.

Fahrt bis zum Ziel etwa 860 Kilometer: Route über Dresden – Görlitz – Breslau – Lodz – Warschau.

Erster Halt bei Chemnitz wegen menschlicher Bedürfnisse eine*r der Teilnehmer*innen, größtes Erlebnis dabei: keine Gebührenerhebung in den WCs und sie waren trotzdem sauber.

Ausgangskilometerstand: 10.420 Kilometer – Stand bei Raststätte: 10.546 Kilometer.

Besondere Vorkommnisse:  Marion schlief die ganze Zeit, weil sie in der Nacht zuvor kein Auge tutat. Besonders erfreulich: Lada lief und lief und sein Fahrer Klaus wurde nicht müde. Wir mussten einmal 48 Liter tanken. Der Benzinpreis in Polen ist nicht sehr viel niedriger als in Deutschland.

Panzertransport durch Polen

Ankunft im Hotel 19.30 Uhr. Hotel Kamiza in Brakiszuk. Wir waren fast die einzigen deutschen Gäste. Das Restaurant war noch nicht geöffnet. Das Essen war sehr gut und auch schön angerichtet, die Bedienung professionell und englischsprachig. Für Vegetarier gab es auch ein Gericht. Selbst der Salat war nicht vegetarisch. Viele junge Pol*innen waren zu Gast. Es gab eine Auswahl von polnischem und tschechischem Bier vom Fass. Kilometer-Stand bei Ankunft im Hotel: 11.273.

Pierogy zum Abendbrot
Auch Salat mit Hühnchen schmeckte.

Vor uns liegt eine weite Reise

Ein langgehegter Wunsch geht in Erfüllung: Eine Reise in ein Land voll unberührter Schönheit und faszinierender Geschichte. Wir sind auf dem Weg von Bad Sulza nach Ulaanbaatar und wollen in Russland und in der Mongolei alles sehen und erleben, was auf dem Weg liegt. Hier berichte ich von den Eindrücken, Erlebnissen und Erfahrungen unseres Abenteuers.

Entstanden ist die Idee während der Pandemie-Zeiten, die uns als Dienstleister fast vollständig ausgebremst hat. Klaus und ich konnten somit mehr Zeit mit Gesprächen verbringen und stellten überrascht fest, dass wir beide den Wunsch hatten, die Mongolei zu besuchen – ein Land voll unberührter Schönheit und faszinierender Geschichte. 

Die Mongolei hat uns fasziniert. Und so begannen wir, die Zeit zu nutzen, und vor allem Klaus hat zahlreiche Filme gesehen und Bücher gelesen, die die atemberaubenden Landschaften und die reiche Kultur näherbrachten. Die weiten Steppen, die majestätischen Berge und die glitzernden Seen – alles wirkt so unberührt und friedlich. Die Mongolen selbst, Nachfahren der großen Reiterkrieger unter Dschingis Khan, leben teilweise noch heute in Harmonie mit der Natur. Ihre Nomadenkultur, die Gastfreundschaft und der tief verwurzelte Schamanismus sind Dinge, die unser Interesse vermehrten. 

Wir beschlossen: Das machen wir! Wir unternehmen eine lange Reise von Bad Sulza nach Ulaanbaatar und wollen in Russland und in der Mongolei alles sehen und erleben, was auf dem Weg liegt.  

Das Auto ist nun gepackt. Ein Gefühl von Aufbruch und Freiheit erfüllt uns alle vier. Vor uns liegt eine weite Reise durch Polen und Russland bis hin zu unserem Traumziel. Die Straßen werden lang und manchmal beschwerlich sein, aber der Gedanke an die unendlichen Weiten der mongolischen Steppe und die faszinierenden Sehenswürdigkeiten, die wir sehen werden, treibt uns voran. 

Wir freuen uns auf die beeindruckenden Felszeichnungen in den Khorgo-Terkhiin Tsagaan Nuur Nationalpark, die Überreste der antiken Stadt Karakorum und die einzigartigen Klöster wie das Erdene Dsuu, das älteste buddhistische Kloster der Mongolei. Wir wollen das Leben der Nomaden kennenlernen, in ihren traditionellen Gers übernachten und vielleicht sogar an einem Schamanenritual teilnehmen. Die geheimnisvollen Gesänge und Tänze der Schamanen können die Geister der Ahnen und der Natur beschwören und uns vielleicht in eine andere Welt entführen. 

Ein letzter Blick in die vertraute Umgebung, ein tiefer Atemzug der frischen Morgenluft, und wir sind bereit. Wir machen uns auf den Weg in das Abenteuer, das vor uns liegt. Der Lada Niva steht bereit für die Reise. Die weite Welt ruft. 

Auf dem Weg werde ich Euch zusammen mit meinem Team in Deutschland Nachrichten übermitteln, um Euch ein wenig teilhaben zu lassen.

Eure Marion

Marion Schneider und ihre Begleiter brechen von Auerstedt auf eine Reise in die Mongolei auf.
Der Lada Niva steht bereit: Die Reise vom Schlosshof in Auerstedt kann endlich losgehen.