DAS IST JA BAHNSINN!

Heute wird die neue Schnellstrecke zwischen München und Berlin erstmals in Betrieb genommen. Wahllos auf ein beliebiges Datum im Januar gedrückt, bietet der Bildschirm doch tatsächlich einen Spartarif  von 29,90 Euro für die gesamte Strecke (623 km) an.

Da müsste man theoretisch ja von Erfurt für 10 Euro nach Berlin kommen. Denkste! Am selben Tag mit selbem Zug kostet die Strecke Erfurt-Berlin (265 km) im Spartarif 45,90 Euro. Daraus lernen wir schon einmal, egal wie kurz die Teilstrecke ist, die man auf dieser Verbindung zwischen München und Berlin zurücklegt, es ist wahrscheinlich am günstigsten, in jedem Fall die volle Strecke zu bezahlen und zwischendurch ein- und auszusteigen, wann es einem gefällt.

Nun gut, wir wissen ja, dass die Bahn vom Staat subventioniert wird – denn würde sie das nicht, müssten die Preise so hoch sein, dass sich die Bevölkerung besser wieder Kutschen und Pferde anschafft. Aber so viel, dass Leute für 30 Euro von München nach Berlin reisen können? Im ICE, der vom Unterhalt sicherlich auch nicht billig ist?

10 Milliarden soll das Projekt gekostet haben. Da müssen wahrlich viele 30 Euro Tickets verkauft werden, bis das den berühmten Break-even Punkt erreicht und die Anschaffungskosten wieder raus sind.  Oder spart man das etwa woanders ein?

Da gibt es ja noch die Kleinbahnen. Wer braucht denn sowas. Da wird gestrichen! Rentabel oder nicht. 18 Millionen staatlicher Zuschuss für die Pfefferminzbahn ist zu teuer – wohlbemerkt gerechnet in einem Zeitraum von 2018 bis 2023, was 3 Millionen Euro pro Jahr entspräche. Was frißt wohl die ICE Strecke Berlin-München an Subventionen bei einem 30 Euro Ticket-Preis pro Jahr?

Man kann zwar jetzt von Berlin nach München ohne Umsteigen fahren, wenn man aber 40 km von Bad Sulza nach Sömmerda möchte, muss man über Erfurt fahren, was jenseits der Strecke liegt und statt 5 Euro (früher mit der Pfefferminzbahn) ab 10. Dezember 15 Euro kostet. Dafür kann man die Bahnfahrt auskosten. Sie dauert nämlich 1,5 Stunden.

Noch interessanter sieht das Ganze aus, wenn man von Bad Sulza nur die 8 km den Berg hinauf nach Eckartsberga will. Das ist es für preisgünstige 2,70 Euro zu haben, allerdings mit 3-maligem Umsteigen (1x Bahn und 3x Bus) und einer Gesamtdauer von 1 ½ Stunden. Richtig, man ist schneller gelaufen.

Da klingt es doch beinahe schon satirisch, wenn man sich die Worte des Bahnchefs Lutz in Erinnerung ruft:  “Was nützt mir ein pfeilschneller Zug, wenn ich in Erfurt eine halbe Stunde auf den Anschlusszug warten muss?” (1)

Das kann derjenige ausprobieren, der vom Daimler-Werk München auf die Idee kommt, ins neu entstandene Daimler-Werk Kölleda-Kiebitzhöhe mit der Bahn zu wollen. Von Erfurt (bitte Zug durchlösen bis Berlin und die Kurzstrecke nach Kölleda extra zahlen) nach Kölleda dauert es, je nach Ankunftszeit aus München, zwischen einer und zwei Stunden gemütlich gemischer Bahn- und Busfahrt durchs schöne Weimarer Land.

So wird der Fernverkehr zum Nahverkehr und der Nahverkehr zum Fernverkehr – der ganz moderne Bahnsinn.

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Photo: Das Photo wurde heute in Sömmerda aufgenommen anläßlich der Taufe des neuen Zuges der Pfefferminzbahn, die jetzt unter der Erfurter Bahn zwischen Buttstädt und Sömmerda betrieben wird.

1) https://www.mdr.de/thueringen/ice-strecke-erfurt-thueringer-wald-nuernberg-100.html

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