Sieben Tage, zwei Metropolen, zahlreiche Gespräche und ein intensiver Blick auf einen der spannendsten Quellmärkte für den Deutschlandtourismus: Meine Reise nach Indien im Rahmen der India Digital Travel Knowledge Tour 2026 hat mir vor allem eines gezeigt: wie dynamisch sich die indische Reisebranche entwickelt und wie wichtig der persönliche Austausch für das Verständnis dieses Marktes ist.

Indien lässt sich nicht in wenigen Zahlen erklären. Und doch erzählen die Zahlen zunächst eine bemerkenswerte Geschichte: Indien gehört zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt und zählt nach Angaben des World Travel & Tourism Council zu den elf größten internationalen Auslandsreisemärkten weltweit, gemessen an den internationalen Reiseausgaben.
Für den Deutschlandtourismus ist Indien inzwischen der viertwichtigste Übersee-Quellmarkt. 2025 stiegen die internationalen Ankünfte aus Indien in Deutschland um 9,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Von Januar bis Juli 2026 setzte sich diese Entwicklung mit einem weiteren Plus von 9,1 Prozent fort.
Vom 4. bis 10. Oktober 2026 war ich Teil der India Digital Travel Knowledge Tour der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT). Gemeinsam mit einer Delegation aus Destinationen und Unternehmen der deutschen Tourismuswirtschaft ging es nach Delhi und Mumbai. Im Mittelpunkt der Reise standen die aktuellen und künftigen Entwicklungen im Travel-Technology-Sektor, die Digitalisierung der Reisebranche und vor allem der direkte Austausch mit wichtigen Akteuren des indischen Tourismus. Mit dabei waren Vertreter unter anderem aus Sachsen, Baden-Württemberg, Bremen, Stuttgart und Frankfurt am Main sowie von Unternehmen und Einrichtungen aus unterschiedlichen Bereichen des Deutschlandtourismus.

Ein wichtiger Aspekt der Reise war natürlich, was ein indischer Reisender von Deutschland erwartet. Dazu gab es vielfältige Kontakte und Informationen.
Delhi: Der erste Blick auf einen riesigen Reisemarkt


Delhi war die erste Station unserer Reise. Die DZT konzentriert ihre Aktivitäten insbesondere auf zwei Zielgruppen: das Premiumsegment sowie die wachsende Mittelschicht mit Millennials, Gen Z und Familien. Auch die Interessen der Reisenden sind entsprechend vielfältig. Sie reichen von historischen Sehenswürdigkeiten und Kultur über Shopping bis hin zu Hochzeits- und Honeymoon-Reisen. Für Deutschland eröffnet das eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Unser Besuch in Delhi sollte uns den indischen Reisemarkt verständlich machen. So besuchten wir den Reiseanbieter MakeMyTrip , den größten indischen Reisevermittler mit über 10 Milliarden US-Dollar Buchungsvolumen im letzten Jahr. Wir erfuhren, dass indische Reisende die Flüge etwa 90 und die Hotels etwa 60 Tage im Voraus buchen. Bei Auslandsreisen sollte man aber bedenken, dass nur 7 % der Inder einen Pass haben. Unser Besuch bei dem führenden e-Commerce-Anbieter Flipcart Private Limited mit mehr Kunden als Amazon in Indien informierte uns darüber, dass eines ihrer Markenzeichen ist, dass man in den Metropolen die Bestellung innerhalb von zehn Minuten bekommt. Wir probierten es aus und es stimmte! Neben dem Versandhandelsgeschäft hat Flipcart mit dem Markenzeichen Cleartrip inzwischen auch einen Reise-Service aufgebaut und vertritt 600.000 Hotels weltweit. Einer der Partner ist auch Lufthansa. Wichtige Informationskanäle sind hierbei Instagram und Youtube. Hierbei wird sehr großer Wert auf das soziale Ansehen und die Weiterempfehlungen gelegt. Interglobe schließlich ist ein Tochterunternehmen der großen indischen Luftlinie IndiGo, und auch hier waren wir überwältigt von der Quantität und Qualität des indischen Reisemarkt-Wachstums. So hat Interglobe bereits im Jahr 2023 500 Flugzeuge bei Airbus bestellt. Die Auslieferungen sind für 2030 bis 2025 vorgesehen. Bei FNP Weddings & Events erfuhren wir schließlich, dass die indischen Hochzeiten mit einer Standardgröße von 250 bis 300 Personen meist außerhalb des Wohnortes durchgeführt werden. Viele reisen dafür auch ins Ausland, bevorzugt Türkei, Bali und Thailand. Die Hochzeitsplaner suchen den Ort aus und machen einen Gesamtvorschlag. Es ist ein Muss, dann indische Küche anzubieten.
Von Delhi nach Mumbai

Nach Delhi führte die Reise weiter nach Mumbai. Auch hier standen Gespräche und Einblicke in die Reiseindustrie im Mittelpunkt. Wir besuchten eine der ältesten und wichtigsten Firmen Indiens, die Tata Group, die inzwischen eine der bedeutendsten Tourismuskonzerne Indiens geworden ist. Die Hotelgruppe Taj und einige kleinere Marken repräsentieren inzwischen 670 Hotels weltweit – eines jetzt auch in Frankfurt/M. – sowie knapp 300 Hotels, die gerade entwickelt werden. Tata besitzt auch die große indische Fluggesellschaft AirIndia. Der Besuch beim Reliance Experience Centre machte uns deutlich, wie weit die Telekommunikation in Indien bereits in den ländlichen Raum und selbst in die indigenen Gebiete vorgedrungen ist.
Während der Corona-Pandemie hat die Reliance Group Hunderttausende von Menschen mit einem preiswerten Handy ausgestattet, damit sie ihre Bankgeschäfte und andere wichtige tägliche Belange unabhängig realisieren können. Natürlich gibt es auch Satelliten der Reliance Group über Indien, mit denen Elon Musk preislich einfach nicht konkurrieren kann. Wir lernten viel über die Chancen der Digitalisierung für das tägliche Leben gerade auch in den ländlichen Regionen. Wir besuchten dann noch die Dabbawalas [1] und schließlich auch das deutsche Konsulat.

Was indische Reisende von Deutschland erwarten
Deutschland liegt bei indischen Gästen inzwischen auf Platz drei der europäischen Reiseziele – nach Großbritannien und Frankreich. Indische Gäste bleiben durchschnittlich 10,1 Nächte in Deutschland und geben einschließlich der An- und Abreise insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro aus. Diese Zahlen machen verständlich, warum Destinationen und touristische Unternehmen in Deutschland den indischen Markt zunehmend intensiver bearbeiten. Als Individualtouristen sind die indischen Reisendem vielem aufgeschlossen, wenn sie aber in der Gruppe reisen, legen sie auf indische Küche sehr viel Wert. Auch wünschen sie gute Einkaufsmöglichkeiten, weshalb sie in der Regel in die Metropolen reisen.
Travel Tech: Wenn Digitalisierung auf eine neue Dimension trifft
Ein Schwerpunkt der Reise lag auf der Travel Technology. Und gerade hier wurde für mich besonders deutlich, warum ein persönlicher Blick auf Indien so wertvoll ist. Wir haben uns mit aktuellen und künftigen Entwicklungen im Travel-Tech-Sektor beschäftigt und Unternehmen sowie Akteure kennengelernt, die die Digitalisierung der indischen Reisebranche vorantreiben.
Was mich dabei besonders beschäftigt hat: Wie verändert Digitalisierung das Reisen – und wie unterschiedlich können diese Entwicklungen in verschiedenen Märkten aussehen?
Indien ist ein Markt, in dem digitale Angebote für viele Reisende längst selbstverständlich sind. Für touristische Anbieter bedeutet das, dass Erwartungen an Geschwindigkeit, Verfügbarkeit, Kommunikation und Personalisierung entsprechend hoch sind.
Unsere eigene Präsenz in Indien
Für mich hatte diese Reise noch eine ganz persönliche Bedeutung: Indien ist für mich nicht nur ein interessanter Wachstumsmarkt für den deutschen Tourismus. Wir sind hier bereits seit Jahren selbst unternehmerisch präsent. Mit der Toskanaworld India Pvt. Ltd. und der Wayfarer Tours and Travels Pvt. Ltd. Munsiyari bestehen seit Jahren eigene Unternehmensstrukturen in Indien. Diese Präsenz schafft einen unmittelbaren Bezug zum Land und zu seinen wirtschaftlichen und touristischen Entwicklungen – und sie besteht unabhängig von einzelnen Reisen oder aktuellen Projekten fort.



Abbildung 6 bis 8: Wayfarer Munsiyari Hotel und Blick in die Himalaya Berge

Gleichzeitig entwickelt sich der Reiseaustausch zwischen Indien und Deutschland dynamisch. 2024 reisten 256.348 deutsche Gäste nach Indien, rund 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Zu den wichtigen Zielen deutscher Reisender zählen insbesondere die klassischen Kultur- und Rundreiseziele; allein Rajasthan verzeichnete 2024 knapp 77.800 Besucher aus Deutschland. Bei den Urlaubsreisen spielten insbesondere Rundreisen und Städtereisen eine wichtige Rolle.
Wir sehen der weiteren Entwicklung mit Spannung und Ideen entgegen.
Noch ein paar Eindrücke für Euch aus der indischen Natur und dem Strand von Goa. Eine herrliche Gegend, wunderschön und eindruckweckend.










[1] Ein Dabbawala (Hindi, auch Dabbawalla oder Dabbawallah) ist ein Zusteller, der in Mumbai und weiteren indischen Großstädten Büroangestellten von ihrem Zuhause oder einer Großküche das Mittagessen an den Arbeitsplatz bringt. Der Lieferdienst transportiert es in dabbas, mehrteiligen Metallbehältern (auf Englisch tiffin tins, oft verkürzt zu Indisch-Englisch tiffin), die dem deutschen Henkelmann entsprechen. Der zweite Wortteil -wala steht allgemein für eine berufstätige Person. (Wikipedia)
Abbildungen:
Infografik India Outbound Travel: https://etc-corporate.org/reports/indian-outbound-travel-market-infographic/?utm_source=chatgpt.com
Foto Delhi City: Old Delhi city skyline from Jama Masjid, Delhi, India.jpg – 27. September 2007, author: Vyacheslav Argenberg – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Old_Delhi_city_skyline_from_Jama_Masjid,_Delhi,_India.jpg
Foto City of Delhi at Commaught Place: Von Whoeverblocksmeisamotherfu*ker – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=138529495
Infografik Radjastan: https://www.tourism.rajasthan.gov.in/content/dam/rajasthan-tourism/english/pdf/press-release-pdf/coverage-report-June-2025.pdf?utm_source=chatgpt.com
Restliche Fotos © Marion Schneider





