31. Oktober: Reformationstag

2017 – 500 Jahre Reformation. Auch wenn Sömmerda, das Weimarer Land und Jena nicht gerade die Orte sind, die durch Luther berühmt wurden, so kann ich doch diesen für Thüringen und die protestatische Welt so wichtigen Tag nicht unkommentiert lassen, denn immerhin war er auch bei uns unterwegs.
1540, fünf Jahre vor seinem Tod, lässt der 57-jährige Luther aus Weimar seine „herzliebe Käthe, Doctorin Lutherin etc. … untertäniglich wissen, daß mirs hier wohl gehet. Ich fresse wie ein Böhme und saufe wie ein Deutscher, das sei Gott gedankt, Amen.“ So schreibt die Seite www.lutherland-thueringen.de.
In Jena wohnte der Junker Jörg ja während seiner – wenn auch größtenteils Inkognito Aufenthalte – unter anderem im Schwarzen Bären. Und statt heute die Grundzüge der protestantischen Religion mit Ihnen zu diskutieren, will ich Ihnen eine Geschichte von Jena und Luther erzählen, die ich Herrn Hartwig Mähler, unserem Apoldaer Chronisten, verdanke:

Luther im Schwarzen Bären  zu Jena oder wie ein Guthaben die Jahrhunderte überdauerte

Die Internetpräsentation www.jenakompakt.de  wurde zum Anlass genommen, die Geschäftsleitung des Hotels „Schwarzer Bär“ in Jena  über das Bemühen der Thüringer Allgemeine (2005) zu informieren, ein Buch über den „sagenhaften Luther“ zu produzieren. Selbiges wurde mit Freude zur Kenntnis genommen, auch die Aussage, dass Luther-Geschichten, bezogen auf das Hotel, dort Eingang finden. Auf diese Weise kam eine neue Begebenheit ans Licht der Öffentlichkeit:
Bei seinen nachweislich mehrfachen Aufenthalten in Jena und im „Schwarzen Bären“ entrichtete Luther gewöhnlichst seine Zeche vorab, zahlte seine vorgesehenen drei oder vier Quartiertage im Voraus. Über die Gründe schweigt die Chronik. Vielleicht lag es daran, dass Dr. Luther zu Zeiten als Junker Jörg reiste und so auch für eine plötzliche Abreise, ohne dem Wirt zu schaden, gewappnet war. So geschah es, dass bei einem seiner letzten Aufenthalte in Jena die Rechnung für drei Tage beglichen war, Luther aber bereits nach einer einzigen Übernachtung schon davoneilte.
Der Wirt befragte später Martin Luther, was mit dem Rest geschehen möchte und wie es zu verbuchen sei. „Macht Euch deshalb keine Gedanken, lieber Freund,“ könnte der Prediger gesagt haben, „so alsbald ein Bischof in Jena seinen Wohnsitz nimmt und bei Euch zu Gast ist, soll er einen Tag beköstigt werden.“
Nicht nur die Jahrzehnte, sondern Jahrhunderte vergingen… bis der einstige Thüringer Landesbischof Hoffmann (bis 2002 im Amt) seinen Altersruhesitz in Jena nahm. Da erinnerte sich eine Gruppe von christlichen Amtsträgern dieser vor langen Zeiten getätigten Aussage des Junkers, als sie gerade in der Lutherstube im „Schwarzen Bären“ dinierten.
So kam es, dass sich die Geschäftsführung mit Vergnügen um den Landesbischof im Ruhestand sorgte und treu dem lutherschen Begehren Herrn Hoffman einen freien Tag Kost und Logis gewährte.

Da kann man mal sehen, dass 500 Jahre gar keine so lange Zeit sind.

Ihre
Marion Schneider

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